Das Stundengebet (lat.: Liturgia horarum), auch Tagzeitenliturgie, Tagzeitengebet (evangelisch) oder "Officium divinum" (lat.) genannt, ist das ständige Gebet der Kirche durch und mit Jesus Christus im Heiligen Geist zu Gott Vater.

Mit dem Stundengebet erfüllt die Kirche den Auftrag des Herrn: "Ihr sollt allezeit beten und darin nicht nachlassen" (Lk 18,1) und das Psalmwort „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen.“ (vgl. Ps 119,62). Die Tradition des Stundengebetes wird in der orthodoxen, römisch-katholischen, der anglikanischen Kirche und den evangelischen Kirchen gepflegt. Die liturgischen Bücher, die die Texte des Stundengebets enthalten, heißen Horologion (orthodox), Stundenbuch (katholisch), Book of Common Prayer (anglikanisch) und Tagzeitenbuch (protestantisch). Stundengebet und Eucharistie sowie die Feier und Spendung der Sakramente bilden die Liturgie der Kirche. Dabei durchdringen sich die Liturgie der Eucharistiefeier als eigentliche Mitte der Kirche (vgl. Enz. Ecclesia de eucharistia, 2003) und die Liturgie des Stundengebetes gegenseitig, indem das Stundengebet "den Tisch des Wortes" reichhaltiger deckt und auf die Eucharistiefeier hinführt.

Im Stundengebet wird die Zeit geheiligt: Jeder Augenblick des Tages soll Gott gehören und wird ihm als Lobopfer dargebracht.  Dabei vollzieht die Liturgie des Stundengebetes die Rhythmen der Schöpfung und der Heilsgeschichte. Wird in den Laudes die Schöpfung und Neuschöpfung in der Auferstehung des Herrn vergegenwärtigt, so gedenkt die Kirche in der Vesper an das Opfer Jesu Christi am Kreuz. Darüber hinaus werden der besondere Rhythmus der Siebentagewoche und einzelner Wochentage (insbesondere Donnerstag bis Sonntag) im Licht der Heilsgeschichte geheiligt. 

Wer das Stundengebet betet, vollzieht öffentliche Liturgie und tut dies in Stellvertretung für die ganze Kirche. Kraft ihres Standes zum Stundengebet verpflichtet sind Bischöfe, Priester, Diakone und die meisten der Ordensleute. Als eingeladene Beter sollen sich aber auch die getauften und gefirmten Laien in der Welt kraft ihres "allgemeinen Priestertums" am Stundengebet beteiligen (vgl. Sacrosanctum Concilium, 100).

Da das Stundengebet auch in den protestantischen (insbesondere in den evangelischen Orden) kirchlichen Gemeinschaften verwurzelt ist, kann es ein Weg wahren ökumenischen Betens sein.